Gret Palucca
Leben
  • Sie wurde am 8. Januar 1902 in München als ältestes Kind des Apothekers Max Paluka und dessen Ehefrau Rosa, geb. Merfeld, geboren und bekam den Namen Margarethe.
  • Die Familie zog bald nach ihrer Geburt in die USA nach San Francisco um.
  • 1909 - Sie kehrte mit der Mutter nach Deutschland zurück und fand in Dresden ihre neue Heimat.
  • 1910-18 - Sie besuchte die "Lehr- und Erziehungsanstalt für Mädchen höherer Stände" in Dresden und die "Höhere Mädchenschule" in Plauen.
  • 1914-16 - Sie erhielt von ihrer Mutter die Erlaubnis, Ballettstunden zu nehmen. Sie wurde Schülerin von Ballettmeister Heinrich Kröller, der sie jedoch für unbegabt hält. Die Ausbildung bei Kröller gefiel ihr nicht; sie fand, dass sie nicht die notwendigen körperlichen Fähigkeiten besitze und beim Tanzen ihre Ideen nicht angemessen umsetzen könne.
  • 1919 - Sie besuchte einen Tanzabend von Mary Wigman, einer Vertreterin des modernen Ausdruckstanzes.
  • 1920 - Sie tanzte bei Mary Wigman erfolgreich vor und wurde eine von ihren ersten Schülerinnen.
  • 1921 - Sie änderte ihren Namen in Gret Palucca.
  • 1923 - Sie wurde Mitglied der ersten "Wigman-Tanzgruppe".
  • Sie heiratete Fritz Bienert.
  • 1924 - Sie verließ Wigmans Gruppe, um ihren eigenen Stil weiter zu entwickeln und in Solo-Tanzabenden aufzutreten
  • Über ihre Schwägerin und Freundin Ilse, eine Studentin am > Bauhaus in Weimar, nahm sie Kontakte zu den Künstlern dort auf.
  • Sie gab ihren ersten Solotanzabend im Bauhaus in Dessau; ihre Tänze inspirierten moderne Künstler wie Paul Klee oder Lionel Feininger; Wassili Kandinsky zeichnete ihre Tanzfiguren.
  • 1925 - Sie gründete in Dresden ihre eigene Tanzschule; der Unterricht umfasste Tanzgeschichte, Tanztechnik, Improvisation, rhythmische Erziehung und Anatomie.
  • 1926/27 - Sie gründete die "Palucca-Tanzgruppe".
  • 1936 - Sie veranstaltete mit ihrem Pianisten Adolf Havlik Tanzabende, bei denen sie über Themen improvisierte, die von den Gästen vorgeschlagen wurden.
  • Sie gab pro Spielzeit bis zu 100 Gastspiele in Deutschland und Europa und wurde zur gefeierten Künstlerin.
  • Sie nahm an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Berlin teil.
  • 1939 - Die nationalsozialistischen Behörden verboten ihre Auftritte in allen öffentlichen Theater und Konzertsäle und zwangen sie, ihre Schule zu schließen. Sie konnte nur noch auf privaten Tanzabenden auftreten.
  • 1945 - Sie verlor durch Bombenangriffe auf Dresden ihre Wohn- und Arbeitsräume und ihren ganzen Besitz.
  • Im Juni begann sie wieder mit ihrer Tätigkeit als Lehrerin und eröffnete im Juli ihre Schule neu.
  • Sie trat wieder als Solotänzerin auf; von jetzt an verband sie Ausdruckstanz und Ballett und nannte ihre Kunst "Neuer künstlerischer Tanz".
  • 1945-49 - Sie gab in allen vier deutschen Besatzungszonen Gastspiele.
  • 1949 - Ihre Schule wurde verstaatlicht.
  • 1950 - Sie wurde Gründungsmitglied der "Deutschen Akademie der Künste" und war bis 1970 Vizepräsidentin.
  • 1951 - Sie trat ein letztes Mal zum 75. Geburtstag von Wilhelm Pieck, dem Präsidenten der DDR, auf.
  • 1953 - Sie unterbrach ihre Lehrtätigkeit, weil die "Staatliche Kommission für Kunstangelegenheiten" sich in die Gestaltung der Lehrpläne einmischte.
  • 1954 - Sie wurde zur Künstlerischen Leiterin der Schule berufen.
  • 1959 - Sie stritt mit Kulturpolitikern der DDR, die ihre Schule nach sowjetischem Vorbild zu einer sozialistischen Fachschule für Tanz umgestalten wollten.
  • 1962 - Sie wurde zur Professorin ernannt; zu ihren Schülern gehörten u.a. Ruth Berghaus, Hannelore Bey, Arila Siegert und Hanne Wandtke.
  • 1970-74 - Sie arbeitete als Gastprofessorin an der "Statens Dansskola" in Stockholm
  • Sie beendete ihre Lehrtätigkeit in den Fächern Improvisation und Neuer Künstlerischer Tanz.
  • 1991 - Sie unterrichtete ein letztes Mal an ihrer Schule.
  • 22. März 1993 - Sie starb in Dresden und wurde auf ihren Wunsch auf der Insel Hiddensee begraben.
Bedeutung
  • Sie gehörte neben Isadora Duncan, Mary Wigman, Harald Kreutzberg und Rudolf von Laban zu den bedeutendsten Künstlern des Ausdruckstanzes, der zwischen 1900 und 1910 entstand.
  • Sie wollte sich vom klassischen Tanz lösen und neue Formen des tänzerischen Ausdrucks finden. Sie versuchte, durch einen raumgreifenden Tanzstil ihre Gefühle in Bewegungen umzusetzen und Stimmungen in einer reinen, klaren Tanzform auszudrücken.
  • Sie wollte den Zuschauern mit ihrem Tanz keine Geschichten erzählen, sondern sie an ihren Gefühlen teilhaben lassen; darum verzichtete sie auf prächtige Kostüme, aufwändige Requisiten und Kulissen.
  • Als Lehrerin unterrichtete sie streng und zielgerichtet, aber mit menschlicher Wärme. Sie erwartete von ihren Schülern Ausdauer, Hingabe und Begeisterung, lobte und tadelte, sprach Fehler klar an und bewertete gerecht Leistungsstand und Leistungsvermögen. Sie unterrichtete alle Altersstufen von den Eleven bis zu den Absolventen. Bis weit über siebzig arbeitete sie als Lehrerin und war danach noch bis zu ihrem Tod an der Schule beratend tätig.
  • Ihr Charisma als Tänzerin und Tanzlehrerin bestand in ihrem Charme, ihrer Musikalität und Virtuositöt, ihrer Vitalität und ihrem Optimismus.

Ehrungen
  • 1972/92 - "Vaterländischer Verdienstorden in Gold"
  • 1980 - "Orden Stern der Völkerfreundschaft"
  • 1981 - "Nationalpreis der DDR für Kunst und Literatur - 1. Klasse"
  • 1983 - "Deutscher Tanzpreis des Deutschen Berufsverbandes für Tanzpädagogik"
  • 1985 - "Ehrenspange zum Vaterländischen Verdienstorden in Gold"
  • 1992 - "Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland"
Zitate
  • "Ich will nicht hübsch und niedlich tanzen!"
  • "Ich beginne. Ich stehe im Saal und höre eine Musik, mehrere Musiken. Ich habe nicht die Absicht, dieses oder jenes zu tun. Ich bewege mich wie von selbst. Dann gibt es einen Punkt, wo der Körper auf einen Rhythmus, ein Stück Melodie reagiert, im Gleichklang oder im Gegensinn. Eine Musik erweist sich als verwendbar, nicht im Sinne der Ausdeutung, sondern in dem der musikalischen Begleitung eines Eigenen. Es ist durchaus nicht immer eine vorher gehörte Musik, mit der ich mich bereits auseinandergesetzt habe. Der Tanz bleibt dabei primär. Seine innere Form verbindet sich mit der inneren Form der Musik, und die Arbeit am Tanz ist die Durchführung des thematischen Materials im Einklang mit der Musik. So entsteht eine Zwei-Einheit, das, was für mich der neue Tanz ist."
Links

>   Palucca Hochschule für Tanz Dresden
>   Eine Kämpfernatur. Zum 100. Geburtstag von Gret Palucca. Von Ralf Stabel

Wir danken der Palucca-Schule für die freundlicher Erlaubnis zur Nutzung der Bilder.
Deutsch für ausländische Führungskräfte DaF  ist nicht verantwortlich für die Inhalte fremder Seiten, die Sie über einen Link erreichen.
Text-© 1998-2007 DaF Deutsch für ausländische Führungskräfte