Rudolf Caracciola
Leben
Rudolf Caracciola
  • Rudolf Caracciola wurde am 30. Januar 1901 in Remagen als Sohn eines Hotelbesitzers geboren.
  • 1915 - Er hatte den Wunsch, Rennfahrer zu werden, und verließ die Schule.
  • 1922 - Er ging als Volontär zu den "Fafnir Automobilwerken" in Aachen, wurde dort ein Jahr später Vertreter.
  • Er gewann mit einem "Fafnir" (1,5 Liter, 6 PS) sein erstes Rennen.
  • 1923 - Er gewann in einem "Ego" (4 Zylinder, 6 PS, 77 km/h) der Flugzeugfabrik "Merkur"; seine Siegprämie: zwölf kostenlose Mittagessen.
  • Er erhielt bei "Daimler-Benz" in Dresden eine Stelle als Verkäufer, obwohl er eigentlich Rennfahrer werden wollte; sein Monatsgehalt: DM 100 und 1,5 % Provision.
  • Er durfte manchmal mit einem geliehenen Mercedes-Sportwagen Rennen fahren.
  • 1926 - Er erlebte im Training zum "Großen Preis von Deutschland" auf dem Avus in Berlin zum ersten Mal den Tod eines Kollegen.
  • Er hatte im Rennen Probleme mit einer Zündkerze und musste nach dem Reglement selbst die Reparatur durchführen.
Großer Preis von von Deutschland, 1928
© DaimlerChrylser

© DaimlerChrylser
  • Er gewann den "Großen Preis" in einem gefährlichen Regenrennen; man nannte ihn den "Regenmeister".
  • 1927 - Er gewann das erste Rennen auf dem neu gebauten  > Nürburgring.
  • 1929 - Er zog von Berlin in die Schweiz.
  • Er musste einen 7-Liter-Mercedes Sondermodell nach München zu dessen Käufer Adolf Hitler liefern.
  • 1932 - Er wechselte zu "Alfa Romeo", weil Mercedes wegen zu hoher Kosten den Motorsport aufgab.
  • 1933 - Beim Training zum "Großen Preis von Monaco" versagten die Bremsen seines "MonopostoW, er hatte einen Unfall, war am rechten Bein schwer verletzt und musste mehrere Monate einen Gips tragen.
  • Seine Frau Charly kam bei einem Lawinenunglück ums Leben.
  • 1934 - Er fuhr wieder Rennen für Mercedes.
  • Er fuhr am 10.12. mit 311,98 km/h in Berlin auf dem Avus einen Rekord.
  • Er nahm am "Großen Preis von Italien" teil; er konnte aber wegen zu großen Schmerzen in seinem Bein das Rennen nicht zu Ende fahren und musste an seinen Kollegen Luigi Fagioli übergeben, der das Rennen gewann.
  • Er reiste in die USA, um den amerikanischen Rennsport kennen zu lernen.
Rekord auf der Avus in Berlin, 10.12.1934
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Manfred von Brauchitsch vor Caracciola beim Großen Preis von Monaco, 1937
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  • 1935 - Er gewann mehrere "Große Preise": Tripolis, Frankreich, Belgien, Schweiz und Spanien.
  • 1937 - Er heiratete Alice "Baby" Hoffmann-Trobeck
  • Er wurde Deutscher Meister und Europameister.
  • Das "Nationalsozialistische Kraftfahrer-Korps NSKK" verlangte von Auto Union und Mercedes Geschwindigkeits-Rekorde, um der Welt die Leistungsfähigkeit deutscher Ingenieure und Technik zu beweisen.
  • 1938 - Er erreichte auf der Autobahn Frankfurt - Darmstadt mit 432,7 km/h einen neuen  Geschwindigkeitsrekord; wenige Studen später starb sein Freund Bernd Rosemeyer beim Versuch, diesen Rekord mit einem Auto Union zu brechen.
Mercedes-Benz 12-Zylinder-Rekordwagen W 125, 1938
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  • 1939 - Die Truppen des Deutschen Reichs überfielen Polen, der Zweite Weltkrieg begann. Es fanden keine Rennen mehr statt.
  • 1942 - Caracciola lehnte den Wunsch der Nationalsozialisten ab, seine Wahlheimat Schweiz zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren; daraufhin erhielt er keine Rente mehr.
  • 1945 - Er bekam zwei Mercedes-Rennwagen als Geschenk für seine Arbeit als Rennfahrer.
  • 1946 - Er wurde zu den "500 Meilen von Indianapolis" eingeladen; er fuhr nach Stuttgart, suchte in den zerstörten Mercedes-Werken nach brauchbaren Ersatzteilen.
  • Er bekam keine Genehmigung für den Transport seines Rennwagens in die USA, reiste trotzdem nach Indianapolis und erhielt die Gelegenheit, auf einem "Thorne Engineering Special" zu fahren; er hatte einen schweren Unfall.
  • 1952 - Er fuhr in einem Mercedes 300 SL die "Mille Miglia".
  • Beim "Großen Preis der Schweiz" kam er von der Straße ab, fuhr seinen Mercedes 300 SL gegen einen Baum und wurde schwer verletzt. Er musste seine Karriere beenden.
  • Rudolf Caracciola starb am 18. September 1959 in Kassel.
Größte Siege
  • Großer Preis von Deutschland 1926, 1928 auf Mercedes-Benz, 1932 auf Alfa-Romeo Monoposto, 1937 und 1939 auf Mercedes-Benz
  • Tourist Trophy in Nordirland 1929 auf Mercedes-Benz SSK
  • Europa-Bergmeister auf Mercedes-Benz Sportwagen SSKL 1930/31
  • Europa-Bergmeister auf Alfa-Romeo Monoposto 1932
  • Mille Miglia in Italien 1930, 1931 auf Mercedes-Benz SSK und SSKL
Caracciola im 6 Liter W. 125 Mercedes mit Kompressor, 600 PS, 437 km/h Höchstgeschwindigkeit
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Großer Preis von Deutschland, Nürburgring, 25. Juli 1937. Rudolf Caracciola ist Deutscher Meister.
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  • Grand Prix de Monaco 1936
  • Europameister 1935, 1937, 1938 auf Mercedes-Benz Rennwagen
  • Deutscher Meister 1935, 1937, 1939 auf Mercedes-Benz Rennwagen
  • 149 erste Plätze, 20 zweite Plätze, 12 dritte Plätze
Erinnerungen
Über seine Arbeit als Verkäufer bei Mercedes:
"Ich war nun schon drei Monate in dem Laden, aber verkauft hatte ich noch immer nichts. Es war ein fabelhaftes Geschäft, gerade gegenüber dem Europäischen Hof. Wir hatten sehr gute Kundschaft. An Sonntagen durfte ich mir zuweilen einen Sportwagen ausleihen und ein Rennen mitfahren. Es waren keine großen Sachen, mal im Teutoburger Wald, mal im Forstenrieder Park, mal das Herkules-Bergrennen. Ich gewann meistens, aber an meiner Lage änderte sich nichts. Ich war und blieb der Verkäufer Rudolf Caracciola mit hundert Mark Gehalt und dem Anspruch auf eineinhalb Prozent Provision von jedem durch meine Tätigkeit verkauften Wagen.
Leider ist es zur Auszahlung der Provision nie gekommen. Immer, wenn ich einen Kunden weich geredet hatte, erschien Direktor Herzing hinten aus dem Kontor und machte machte den Abschluss. Hinterher klopfte er mir auf die Schulter und sagte, ich solle so weitermachen."

Über seinen ersten Sieg bei einem Großen Preis:
"Wir fahren, fahren, fahren. Ich weiß nicht, an welcher Stelle wir im Felde liegen, wer vor uns ist und wer hinter uns. Es ist eine Fahrt im Nebel, allein, ohne Orientierung. Der einzige Kompass ist das Pflichtgefühl. Ein paarmal winkt mir Sailer von den Boxen: 'Schneller werden ... schneller!' Aber ich fahre schon fast alles aus dem Motor heraus, und noch mehr zu forcieren wage ich nicht auf der glatten Straße.
Achtzehnte Runde, neunzehnte, zwanzigste - die letzte. Die Glieder werden schwer und die Augen müde. Es ist eigentlich sinnlos, noch zu fahren.
Da ... das Ziel!
Bremsen - halten!
Ich stehe langsam auf, schwer, mit zitternden Beinen. Ich fühle mich scheußlich, mutlos, zermürbt. Das regennasse Zeug klebt am Körper.
Plötzlich kommen Leute aus den Boxen auf mich zu, auf den Tribünen stehen Menschen auf, winken, Sailer rennt heran. 'Rudi - Sieg!' schreit er schon von weitem.

Die Nationalhymne - die deutsche Flagge steigt am Mast hoch, man hängt mir einen riesigen Kranz um. Ich sehe Salzer an, Salzer sieht mich an, und plötzlich lachen wir beide laut los. Die Leute sehen uns verdutzt an, dann lachen sie mit. Händeschütteln ... Blumen ... die Fotografen knipsen ...
Wir fahren die Ehrenrunde.
Über seinen schweren Unfall in Monte Carlo:
"Ich wollte das Tempo mäßigen ... ich bremste ... aber die Bremse fasste nicht. Nur das eine Vorderrad wurde blockiert, und der Wagen schleuderte auf das steinerne Geländer zu, das in der Kurve die Straße vom Abgrund trennte.
Ich steuerte dagegen, ich versuchte, die Gänge zu schalten ... die Kurve kam immer näher. Ich wusste genau, mit mehr als achtzig konnte ich nicht durch diese Kurve gehen, und ich hatte mindestens hundert drauf, wahrscheinlich noch mehr. Ich hielt nach rechts, wo die steinerne Mauer steil aufragte. Es war immer noch besser, gegen den Stein zu schlagen, als über das Geländer hinab ins Meer zu stürzen.
Die Mauer raste auf mich zu  ... ich schlug dagegen ... Metall krachte auf Stein ... der Wagen stand.
Es war nichts geschehen. Nur die Karosserie war zertrümmert, gerade an der Stelle, wo ich   saß. Ich zog vorsichtig mein Bein aus der stählernen Umklammerung . Auf die Räder der Karosserie gestützt, hob ich mich langsam aus dem Sitz. (...)
Ich beeilte mich mit dem Aussteigen, ich wollte zeigen, dass mir gar nichts fehlte, dass ich ganz unverletzt war.
Ich trat auf die Erde. In diesem Augenblick zuckte der Schmerz durch mein Bein. Es war ein rasender Schmerz, so als ob das Bein mit glühenden Messern durchbohrt würde. Ich sackte zusammen (...)"

Über das erste wichtige Rennen nach seinem Unfall:
"Würde ich es morgen schaffen? Würde das Bein durchhalten? (...)
Die Flagge saust herab. Los ...! Die Motoren brüllen auf. 
Schalten ...  Gas  weg ... Bremse ... wieder schalten. Diese Bahn ist mörderisch. Ich habe mir ausgerechnet, dass ich bei 500 Kilometer zweitausendfünfhundertmal schalten muss.
Das Tempo wird immer schneller. Ich muss den Mann da vorn haben!
Zehnte Runde. Die Boxen zeigen an: STU   CAR - 20 Sek.   LEI -  6 Sek.
Die Hitze ist entsetzlich. Der Schweiß läuft mir in Strömen übers Gesicht, dringt beißend in die Augen. Das Bein fängt an zu schmerzen. Leiser, bohrender Schmerz.   Noch zu ertragen. Aber was, wenn es schlimmer wird? (...)
Zwanzigste Rund: Das Schild: STU   CAR - 13 Sek. Der Schmerz im Bein wird stärker. Nicht dran denken. (...)
Vierzigste Runde: Stuck  Erster, Caracciola Zweiter. Mit fünfunddreißig Sekunden Abstand. Es ist hoffnungslos. Den Mann krieg´ ich nie. Der Körper ist gefühllos. Eine dampfende Masse. Nur den Arm spüre ich und das Bein. O Gott, das Bein! Jeder Druck auf die Bremse fährt wie ein Messerstich auf den Oberschenkel. Aufgeben? An die Boxen fahren? Nein! Wenn ich dies Rennen aufgebe, gebe ich mich selber auf. Gas geben, Gas und schneller werden. (...)
Fünfzigste Runde: STU   CAR -  20 Sek. (...)
Die Schmerzen im Bein sind so, dass ich denke, ich sacke im nächsten Augenblick bewusstlos zusammen. Wäre auch gleichgültig. Wäre auch nicht schlimm. Bloß endlich ein Ende!
Sechsundfünfzig, siebenundfünfzig, achtundfünfzig  Runden. Noch zwölf Sekunden Distanz. Jetzt seh' ich ihn. Sein weißer Wagen taucht vor mir auf der Geraden auf, verschwindet in der Kurve.
Neunundfünfzigste Runde: Stuck fährt an die Boxen heran, Stuck hält zum Tanken und Reifenwechseln. Jetzt einen Vorsprung herausfahren ... und dann abgeben ... Ich kann nicht mehr, das geht über Menschenkräfte. Es ist, als ob das Bein bei lebendigem Leib abgesägt würde.
Und? Zugeben, dass ich Invalide bin, dass ich kein Rennen mehr durchhalten kann? Nein! Niemals! (...)
Sechzigste Runde: ich jage an die Boxen heran. Halte. Die Mechaniker springen herbei.
'Fagioli her zur Ablösung!' schrei ich.  'Schnell! Damit wir den ersten Platz behalten!' (...)
Ich gehe nach hinten in die Boxen, gerade aufgerichtet, ich bemühe mich, das Bein nicht nachschleifen zu lassen. Hier hinten ist es kühl und still. Ich bin ganz allein. Die anderen stehen alle vorne an der Strecke und sehen zu. Ich setze mich auf einen Blechkanister und strecke das gemarterte Bein von mir.

Über den Tod von Bernd Rosemeyer beim Versuch, Caracciolas Geschwindigkeitsrekord zu brechen:

"Als wir ankommen, sitzt Rosemeyer schon im Rennwagen, von Menschen umlagert. Ich drängle mich durch die Menge zu ihm hin. Ich gebe ihm die Hand.
'Ich gratuliere, Rudi', sagt er und lacht. Seine weißen Zähne blitzen.
'Danke', sage ich. Ich möchte noch  anderes sagen, noch mehr. Alle  Rivalität ist fort in diesem Augenblick. Er ist mein Kamerad, ist  denselben Gefahren ausgesetzt wie ich.
Ich sehe ihn sitzen, startbereit, und ich habe ein beklommenes Gefühl. Ich möchte ihm sagen, dass es vielleicht zu windig ist und dass er es lieber am frühen Morgen versuchen soll. Als ich selber am Steuer saß, dachte ich nur an die Leistung. Jetzt denke ich an die Gefahr. (...)
Rosemeyers Wagen schießt wie ein weißer Pfeil davon. (...) Nach einiger Zeit ist Rosemeyer wieder da. Er war schneller als im Vorjahr. Aber es hat nicht gereicht, um meinen Rekord zu brechen. Der Wind ist noch stärker geworden. Von neuem macht Rosemeyer sich startklar. Der zweite Lauf beginnt.Und wir sitzen noch im Wagen und warten, warten ...
Mit einemmal läuft eine Bewegung durch den Menschenhaufen. Ein paar rennen vorwärts die Straße entlang, dann laufen alle. Ich drehe das Fenster herunter. 'Was ist los?', schreie ich einem Jungen zu, der vorbeiläuft. 'Rosemeyer ist  verunglückt!' schreit er zurück und läuft weiter. (...)
Mir ist´s, als wenn sich plötzlich vor meinen Augen ein Abgrund auftäte. Ja, warum das alles? Was hat es für einen Sinn, dass sich Menschen hier wegen ein paar Sekunden in den Tod hetzen? Um dem Fortschritt zu dienen? Der menschlichen Zivilisation? Ach, das ist eine lächerliche Phrase vor der großen Wirklichkeit des Todes."

"Wenn ich durch meinen halsbrecherischen Beruf und den in Rennen gesammelten Erfahrungen dazu beigetragen habe, das Automobil zuverlässiger und sicherer zu machen, dann war mein Leben am Lenkrad mehr als nur ein Kampf um den Sieg.
Trotz allen Rückschlägen ist das Leben gut zu mir gewesen. Nicht viele Kinder hatten eine so sorglose und glückliche Jugend, wie ich sie in Remagen am Rhein verlebte.
Nur wenige Rennfahrer haben sich aus zertrümmerten Blechhaufen retten können, und sicher können nur wenige Menschen von jung auf den Beruf ausüben, den sie so leidenschaftlich lieben, wie ich den Motorsport liebe.
Ich fahre keine Rennen mehr, denn 'ein jegliches hat seine Zeit'".


Links

>   Caracciolas Stern ging am Nürburgring auf

 
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