Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die "Weiße Rose"
Zu wenige Deutsche hatten in der Zeit des Nationalsozialismus (von 1933 bis 1945)
den Willen, aktiven  > Widerstand gegen die verbrecherische Diktatur Hitlers zu leisten.
Viele Widerstandskämpfer mussten ihren Mut und ihre Aufrichtigkeit mit dem Leben bezahlen - sie wurden erbarmungslos hingerichtet.
An einige von ihnen wollen wir hier erinnern.
Symbol der Weißen Rose
Johann Georg Elser
  • der Schreiner  > Johann Georg Elser wollte am 8.11.1939 mit einer selbst gebauten Bombe Hitler im Münchner Bürgerbräukeller töten - die Bombe explodierte zu spät, Hitler hatte den Ort leider schon verlassen.
Theologen
"Rote Kapelle"

Die Rote Kapelle war eine deutsche Spionageorganisation und gehörte zu einem Netz von kommunistischen Widerstandsgruppen in den von den Deutschen besetzten Ländern Europas. Sie übermittelten geheime Nachrichten an die Sowjetunion. In diesen Gruppen waren aktiv:

"Kreisauer Kreis"

Die Mitglieder des  > "Kreisauer Kreises" um den Juristen  > Helmuth James Graf von Moltke (hingerichtet am 23.1.1945) wollten Hitler töten, den Nationalsozialismus beseitigen und einen konservativen Staat auf christlicher Grundlage schaffen. Zum "Kreisauer Kreis" zählten u.a.:

 

Politiker und Diplomaten

 

Militärs

Soldaten und Mitarbeiter der Reichswehr wie

Offiziere der Reichswehr planten mehrere Male Attentate auf Hitler, allerdings erst, als der Krieg verloren war:

  • im März 1943 Rudolf-Christoph von Gersdorff und Oberst  > Henning von Tresckow, der eine Zeitbombe in Hitlers Flugzeug platzierte, die jedoch nicht explodierte (Selbstmord am 21.7.1944)
  • im Februar 1944 Axel von der Bussche und Ewald Heinrich von Kleist-Schmenzin
  • am 20.7.1944 gelang es Oberst  > Claus Graf Schenk von Stauffenberg, eine Bombe zu zünden, doch Hitler überlebte leicht verletzt das Attentat. Stauffenberg und andere werden am 20./21.7.1944 erschossen.
Jugendgruppen

Die  > "Edelweißpiraten" waren Jugendliche in Rheinland und Westfalen, die aus dem Arbeitermilieu stammten. Sie lehnten die Autorität, den Drill und Militarismus der Hitler-Jugend ab und veranstalteten eigene Fahrten, Wanderungen und Zeltlager. Sie suchten Kämpfe mit Mitgliedern der Hitler-Jugend, später verteilten sie Flugblätter und schrieben Graffitis mit regimefeindlichen Parolen. Die Kölner Gruppe um Hans Steinbrink (hingerichtet am 10.11.1944) versteckte geflohene Zwangsarbeiter und Deserteure und führten Anschläge auf Funktionäre und Einrichtungen der NSDAP durch.

Die  > "Swing-Jugend" waren Jugendliche aus dem bürgerlichen Mittelstand in Berlin und Hamburg. Sie wollten ein freieres, nicht von nationalsozialistischen Gesetzen und Vorschriften bestimmtes Alltagsleben und eine eigene Kultur. Sie hörten in Clubs und Cafés die von den Nazis als "entartet" bezeichnete verbotene Jazz-Musik. Sie trugen Kleidung, die sich an der englischen und amerikanischen Mode orientierte; die Jungs hatten längere Haare, die Mädchen schminkten sich - all das galt bei den Nationalsozialisten als "undeutsch". Anfang 1942 befahl Himmler, die Anführer in Konzentrationslager zu schicken. Daraufhin wurden manche Jugendliche politisch aktiv und kämpften mit Flugblättern gegen die Diktatur.

 

Die Studentengruppe "Weiße Rose"
Alexander SchmorellChristoph ProbstHans SchollSophie SchollWilli GrafKurt Huber

Christoph Probst und Alexander Schmorell waren seit ihrer Schulzeit enge Freunde. Während ihres Medizinstudiums an der Ludwig-Maximilians-Universität zu München lernten sie Willi Graf und  > Hans Scholl kennen. Die Studenten stammten aus dem Bildungsbürgertum, wo konservative humanistische Ideale herrschten.

Im Frühjahr 1942 entschlossen sich Hans und Alexander, zu Unrecht und Verbrechen der Nationalsozialisten nicht länger zu schweigen und die Menschen wach zu rütteln. Sie trafen sich, um Aktionen gegen das Nazi-Regime zu besprechen. Schon bald weihten Sie ihre Freunde in ihre Pläne ein: Willi, der 1941/42 als Soldat in Russland stationiert war und dort die Verbrechen deutscher Soldaten erlebt hatte, Christoph und schließlich auch Hans' jüngere Schwester  > Sophie, die in München ihr Biologie- und Philosophie-Studium begonnen hatte. Sie nannten sich die  > "Weiße Rose".

Im Juni/Juli 1942 verfassten Alexander und Hans die ersten vier "Flugblätter der Weißen Rose". Sie verschickten etwa 100 Exemplare an Professoren, Schuldirektoren, Schriftsteller, Buchhändler und Ärzte in München und Umgebung, um sie für den Widerstand zu mobilisieren.
Im August wird der Vater von Sophie und Hans verhaftet, weil er Hitler eine "Gottesgeißel" genannt hat.
Im Herbst 1942 mussten Alexander, Hans und Willi als Mitglieder der Münchner Studentenkompanie für drei Monate zu einem Einsatz an die Kriegsfront nach Russland.
Im November treffen Hans und Alexander durch Vermittlung der Malerin Lilo Ramdohr Falk Harnacks, dessen Bruder Dr. Arvid Harnacks in der Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" aktiv ist.
Im Dezember besuchen Willi und Hans Professor Kurt Huber. Er erklärt sich bereit, an weiteren Flugblättern mitzuarbeiten. Alle Mitglieder der Weißen Rose besuchen in den folgenden Wochen in ganz Deutschland Freunde, um ihnen von ihren Aktionen zu berichten und sie für weitere Pläne zu gewinnen.
Im Januar 1943 schrieben sie ihr fünftes Flugblatt, von dem etwa 9.000 Exemplare in mehreren Städten wie Augsburg, Frankfurt, Stuttgart, Linz, Salzburg und Wien verbreitet wurden.
Ende Januar 1943 endete die Schlacht um Stalingrad. Die deutschen Truppen waren besiegt und hatten kapituliert, 230.000 deutsche und eine Million russische Soldaten waren gefallen. Für die Weiße Rose war der Zeitpunkt für weitere Aktionen gekommen.
Am 3., 8. und 15. Februar unternahmen die Studenten nächtliche Aktionen, bei denen sie auf die Mauern der Universität und anderer Gebäude Aufrufe wie "Freiheit", "Nieder mit Hitler" und "Hitler Massenmörder" schrieben.
Zur gleichen Zeit schrieben sie ihr sechstes Flugblatt, das sie an die Münchner Studenten richteten:
(Führen Sie den Mauszeiger auf den Text!)

"Persönliche Freiheit" forderten die Studenten der Weißen Rose, denn diesen Wert hatten die Nationalsozialisten zerstört. Sie beriefen sich auf deutsche Geistesgrößen wie Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Novalis, aber auch auf die Bibel, Aristoteles und Laotse.
Als Sophie und Hans dieses Flugblatt am 18. Februar in der Münchner Universität verteilten, entdeckte sie der Hausmeister und hielt sie fest. Sie wurden von der Gestapo verhaftet, zusammen mit Christoph angeklagt, am 22. Februar vom Präsidenten des Volksgerichtshofes, Roland Freisler, zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet.
Joseph Goebbels, der Propaganda-Minister des Nazi-Regimes und einer der schlimmsten Verbrecher der Nationalsozialisten, schrieb drei Tage später in sein Tagebuch: "In München sind einige Studenten als Staatsfeinde entlarvt worden. Sie haben eine umfangreiche Antikriegspropaganda betrieben, wurden vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Ich bin dafür, dass die Todesurteile vollstreckt werden." Diese Sätze zeigen, dass die Nationalsozialisten große Angst vor Andersdenkenden und der Wirkung ihrer Widerstandsaktionen hatten.
In weiteren Prozessen am 19. April wurden Alexander, Willi und Professor Huber ebenfalls zum Tode verurteilt und am 13. Juli bzw. 12. Oktober hingerichtet.
In den folgenden Monaten werden viele Mithelfer und Mitwisser verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Andere Studenten ließen sich durch die Todesurteile und Hinrichtungen nicht davon abschrecken, die Aktionen der Weißen Rose fortzuführen und das Flugblatt weiter zu verteilen.
Marie-Luise Jahn und ihr jüdischer Freund Hans Leipelt, dessen Großmutter im Konzentrationslager Theresienstadt umkam, führten die Flugblatt-Aktion der Weißen Rose fort. Sie hatten das 6. Flugblatt Mitte Februar erhalten, schrieben für ihre Freunde mehrere Exemplare ab, wählten die Aufschrift "Und ihr Geist lebt trotzdem weiter!" und brachten eine Abschrift auch nach Hamburg. Auch sie wurden beide von der Gestapo verhaftet und angeklagt. Am 13. Oktober wurden Marie-Luise zu 12 Jahren Zuchthaus, Hans zum Tode verurteilt am 29. Januar 1945 hingerichtet.
Die Widerstandsgruppe um Ruth Andreas-Friedrich verbreitet das Flugblatt in Berlin.
Helmuth von Moltke bringt das Flugblatt nach Schweden, von wo es nach England gelangt. Im Juli werfen britische Flugzeuge das Flugblatt tausendfach über deutschen Städten ab.

Winston Churchill sagte 1946: "In Deutschland lebte eine Opposition, die zum Edelsten und Größten gehört, was in der politischen Geschichte aller Völker hervorgebracht wurde. Diese Menschen kämpften ohne Hilfe von innen und außen - einzig getrieben von der Unruhe des Gewissens. Solange sie lebten, waren sie für uns unsichtbar, weil sie sich tarnen mußten. Aber an den Toten ist der Widerstand sichtbar geworden. Diese Toten vermögen nicht alles zu rechtfertigen, was in Deutschland geschah. Aber ihre Taten und Opfer sind das unzerstörbare Fundament des neuen Aufbaus."


Links

>   Deutsches Historisches Museum - Lebendiges Museum Online: Widerstand gegen den Nationalsozialismus
>   Michael Lichte: Kids im Nazi-Regime. Widerstand Jugendlicher gegen den Nationalsozialismus
>   Weiße-Rose-Stiftung
>   Michael Weigl: Die Weiße Rose - Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaften

 
Deutsch für ausländische Führungskräfte DaF  ist nicht verantwortlich für die Inhalte fremder Seiten, die Sie über einen Link erreichen.
Text-© 1998-2007   >> DaF Deutsch für ausländische Führungskräfte